
Hamburg - Viele Menschen schenken ihren Füßen erst Beachtung, wenn sie Beschwerden verursachen. Werden sie dauerhaft überlastet, streiken zuerst die Gelenke zwischen der Fußwurzel und dem Mittelfuß.
Werden die Schmerzen zu groß, dann hilft nur noch eine Operation, bei der das betroffene Gelenk ruhiggestellt wird, und hier gibt es seit Kurzem eine Neuerung. In Zusammenarbeit mit der Berliner Firma Merete in Mariendorf hat Jürgen Walpert von der Hamburger Klinik Fleetinsel eine kleine Titanplatte entwickelt, die das·Mittelfußgelenk überspannt und mit dem Knochen verschraubt wird. "Ein Vorteil der Platte ist, dass sie so stabil konzipiert wurde, dass nach einer Operation der Fuß direkt wieder voll belastbar ist. Der Patient muss lediglich einen Verbandsschuh mit flacher Sohle tragen", sagt Walpert, Facharzt für Orthopädie und Fußchirurgie. Häufig sei ein Hallux valgus die eigentliche Ursache, sagt Walpert: "Die Großzehe ist zur Seite fehlgestellt und kann nicht mehr am Abrollvorgang des Fußes teilnehmen. Die Kleinzehenmüssen die Mehrarbeit verrichten und werden dauerhaft überlastet." Aber auch weitverbreitete Fehlstellungen des Fußes wie Senk-, Spreiz-, Hohl- und Plattfuß können solche Beschwerden verursachen. Am Ende steht dann ein zerstörtes Gelenk. Neben diesen langfristig wirksamen Ursachen für den Gelenkverschleiß kommt die Titanplatte mit dem Handelsnamen MetaCun auch bei dem akuten Bruch eines Mittelfußknochens zum Einsatz. "Die winkelstabile Titanplatte gibt dem Patienten von Anfang an eine hohe Sicherheit, dass es zu keiner Lockerung kommt", sagt Walpert. Die Bezeichnung "winkelstabil" bedeutet, dass Schrauben und Platte sich nicht gegeneinander bewegen können. Dazu besitzen die Schrauben - wie die aus der Technik bekannten Madenschrauben - auch im Kopfbereich ein Gewinde. Gegengewinde befinden sich in jedem Schraubenloch der Platte. Bei der Operation wird die Schraube durch das Loch in der Platte in den Knochen gedreht. Im Endeffekt entsteht eine feste Verbindung zwischen Schraube und Platte. Zu dieser Stabilität müssen nicht mehr die Knochen beitragen, was insgesamt eine Entlastung bedeutet.
Erscheinungsdatum: 7.03.2010
Autor: Rolf H. Lattuseck
Quelle: Berliner Morgenpost